Geschichte
Fägswil 1860 bis heute
Aus der Geschichte Fägswil
Zusammengestellt von Bea Weber 1998 für den Frauenverein, Fägswil
Quellen
wo nichts anderes vermerkt: Gemeindechroniken Rüti und Wald, Sozialarchiv Zürich, Zeitungsartikel und Inserate im „Allmann“ um 1860, Protokolle Frauenverein Fägswil
![]() | Fägswil |
Aus "Zürcher Ortsnamen" von Hans Kläui und Viktor Schobinger, ZKB
806 erstmals erwähnt Fakisesvilari = Weiler des Fagin/Fagis
807 Nanzo vergabt Güter an Kloster St. Gallen (Urkundenbuch der Abtei St. Gallen)
848 Vaginesvilare (faginon = sich freuen)
854 Fagisceswilare urkundlich erwähnt Stiftsarchiv St.Gallen (Waltarat vergabt Güter an St.Gallen)
1296 Vegeswile, Kloster Rüti erhält Vogteirecht zu Fägswil
1306 Vegswile
1328 Vegschwile
1413 Fäggschwil
1798 Fegschwyl
1943 Fegschweil
2007 Jubiläumsfeier zum 1200 jährigen
![]() | Umfang |
Um 1870 (gem. "Geschichtliches, geograph.-statistisches Handlexikon des Kt. Zürich 1973")
Ausser dem Dorf Fägsweil: Altstall, Bühl. Gmeinrüti, Goldbach, Oberhaltberg, Hosberg, Kies, Langern, Laufenbach, Neuhof, Neuyork, Niggenthal, Oberwies, Platten, Rieden, Schlad, Sommerwies und Würzhalden
![]() | Einwohner |
1860 Rüti 1675 Einwohner (mit umliegenden "Orten" wie Ferrach, Gubel, Weier, etc.
1870 Fägswil 375 Einwohner (Dorf Unter-Fägswil 222 in 15 Häusern)
![]() | Politisch |
Gehört Fägswil zu Rüti, bildet aber bis 1886 eine eigene Zivilgemeinde.
Stimmberechtigt 1870: 94 Fägswiler
Fägswil stellt Gemeinderäte, Schulpfleger, Kirchenpfleger
![]() | Kirchliches |
1860 lebten 1536 Reformierte und 135 Katholiken in Rüti
Reformierte Fägswiler waren bis 1710 nach Dürnten kirchgenössig. Laut Jahrheft 1943 des Verkehrsvereins Rüti-Tann gab es ständige Klagen "über der Fegschweileren ungehorsam, hartneckigkeit und liederlichkeit in Besuchung der wahren predig. Weilen ober- und Under-Fegschweil und Niggenthal wegen der Johnen anderst nicht als durch einen gefehrlichen, gar alten, von jung Kindern unersteiglichen oder grossen Umweg bis nechst an Rüthi gen Dürnten kommen, also gehen sie meistentheils gen Rüthi, allwo man ihrer nit sonders gewahret, daher sie die Wochenpredigen und Kinderlehren oft versaumen, mit der Entschuldigung, man läute zu Rüthi zu früh oder zu spat…."
Die Rütner Kirche hatte keine Orgel, dafür 2 Vorsänger bis 1874
Katholiken besuchten 1866-73 den katholischen Gottesdienst im Haus zum Pilgersteg, dem ersten katholischen Kirchenraum im Zürcher Oberland.
1873 Neubau kath. Kirche Wald
1879 Errichtung der kath. Kirche Tann
![]() | Schule |
Ausführlich dargestellt durch Chronist Emil Wüst, Rüti, im Jahrheft 1993 des Verkehrsvereins Rüti-Tann
Bis 1798 Schulbesuch im Pfarrhaus Rüti130 Schüler, davon 25 aus Fägswil
1798/99 im Winter Eröffnung der Nebenschule Fägswil 30 Knaben und 45 Mädchen im Haus Jakob Vontobel an der Hintergasse und zwar auf Verlangen der Hausväter zu Fegyschwyl und Goldbach!
1822 Einweihung neues Schulhaus = erstes Schulhaus der Gemeinde Rüti, 16 Jahre früher als Rüti, erstellt in 409 Tagen Fronarbeit. Beitrag der Regierung nur Fr. 320.-
1860 Eigene Nähschule
1878 Errichtung des neuen, grösseren Schulhauses neben dem alten Schulhaus
1894 Auflösung der Schulgemeinde Fägswil und Vereinigung mit Rüti
1904 Schulhaus um Ostflügel vergrössert zum Zweiklassenschulhaus
1965 Einbau 3. Klassenzimmer
1974 Wettbewerb für Erweiterungs-Neubau mit Turnhalle und Zivilschutzräumen - nicht ausgeführt…
1974 Unterschriftensammlung Eltern bewirkt Einführung des Schulbusbetriebs zum Turnen und Schwimmen in Rüti
1979 Schulhausrenovation - ganz Fägswil strömt an die Schulgemeindeversammlung im Löwen
1993 Neubau - und immer noch keine Turnhalle!
![]() | Kindergarten |
1948 Eröffnung des ersten Kindergartens. Das Glöckli wurde gestiftet von Hermine Pfister, Haus "Bucht", Fägswil
1967 Bau des zweiten Kindergartens
![]() | Bevölkerung |
Bauern, Gewerbetreibende, Fabrik- und HeimarbeiterInnen
![]() | Gewerbe Fägswil |
Schreiner (eigene Särge), Schuhmacher, Zimmermann, Schirmmacher, Spengler, Küfer, Knopfmacher (Horn, Bein) in der "Stämpfli" = Knochenmühle mit Wasserrad unterhalb Molkerei, Nagler, Maurer, Uhrmacher, Bäcker (Beck Caspar Wettstein geb. 1739, Unterfägswil), Taubenhändler und Krämer,
2 Krämerläden (1 Unter- 1 Oberfägswil bis 1934), Weinschenke, Sennhütte (bis 1997), Viehhändler, Liegenschaftenhändler (Inserat 1862)
![]() | Landwirtschaft |
Ackerbau, Viehzucht, etwas Weinbau
Hoffnung auf Seidenraupenzucht, d.h. Maulbeerbaumanpflanzung: Verein für Landwirtschaft und Gartenbau setzt zur Aufmunterung der Maulbeerbaumzucht die Summe von Fr. 300.- zu Prämien von Fr. 20.- bis 50.- aus.
Torf vom Grossweiher (ehemaliger Fischweiher der Burg Batzberg): Um 1900 gab es 28 Torf- und Streuehütten um Fägswil.
Torf-Zitat Allmann v. 12.7.1860: "Eine fortdauernde Ausbeutung von Torf und Wäldern wie bisher müsste doch endlich alle Vorräte erschöpfen, die Einfuhr wäre der Weg zur Verarmung. Darum ergeht an Private, Genossenschaften und Gemeinden, an Behörden und Forstwarte die Bitte: Schonet und sparet den Brennstoff und pflanzet die Wälder, wie Gesetz, Staat und Forstwirtschaft es vorschreiben!"
Betr. Torf war Bezirk selbstversorgend. Allmann: "Es gibt kein für das Leben notwendiges Material, von dem der Bezirk nicht irgend etwas von aussen bezieht als der Brennstoff. Aber wir führen nicht nur keinen ein, sondern jährlich ein ungeheueres Quantum aus, vorzüglich Torf."
Nüsse und Haselnüsse wurden schon damals gestohlen.Hch. Bosshard von Heispel bei Grüningen setzt in Inserat Fr. 35.- Belohnung aus.
![]() | Arbeiter |
Fabrikarbeit, Heimarbeit (Handspinner und Heimweber verarbeiten rohe Baumwolle zu Garn und Tüchern). Heimarbeit als Nebenverdienst von Kleinbauern, aber auch als Hauptverdienst für die am schlechtesten gestellten Berufsklassen und "Aussenseiter" wie Witwen, Waisen, ledige Töchter und Greise.
![]() | Strassenbeleuchtung |
1875 stehen 26 Petrollampen in Rüti
1893 hoffen die Fägswiler auf 8-10 Strassenlaternen. "Die Schulvorsteherschaft wünscht mindestens 8 Laternen und will entweder mit Gas oder Elektrizität wie Rüti erhellt werden." Dazu Schulrat Honegger: "Fägswil ist von Rüti immer vernachlässigt worden und wird es auch in Zukunft werden." Kein Elektrisch bis 1897.
![]() | Telefon |
1888 mit 8 Anschlüssen
1892 öffentliche Sprechstation in Rüti
1897 35 Abonnenten
![]() | Postkutsche |
1836 fährt Kurswagen Wald-Rüti-Grüningen-Egg-Forch-Neumünster-Zürich, Dauer 5 Stunden, Kosten 28 Batzen, jeweils Dienstag und Freitag. (Zu Fuss über die Forch nach Zürich 6-7 Stunden)
Nach Wald zweimal täglich.
Preise: Wegstunde Coupé .-80, übrige Plätze innen oder aussen -.65, Alpenpässe 1.15/1.00, 40 Pfund Gepäck frei.
"Raubüberfall auf Postkutsche Strecke Rapperswil-Wattwil bei St. Wendelinskapelle. Der Postillon konnte sich wehren!"
![]() | Bahn |
1857 neue Brücke über die Jona (Material der alten konnte gekauft werden) Abgerissen 1997
1858 Teilstrecke Wetzikon-Rüti in Betrieb genommen
1859 Eröffnung Glattallinie, Rüti damit an der Bahnlinie Zürich-Chur.
1875 Rüti-Wald
Gemeinderat Rüti empfiehlt Kauf von Eisenbahnaktien, muss aber dann in der Zeitung giftige Bemerkungen einstecken, da zu wenig eingebracht…
Auf Vorweisung eines amtlichen Ausweises können "Arme zum Besuch von Badeanstalten zum halben Preis 3. Klasse fahren" (Allmann 1860)
- Dokumentation zum Download [28 KB]
